Warten
Sonntag, 13. März 2011, 13:24
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Als Studentin der Philosophie habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, alles, was mir das Leben beschert, philosophisch zu betrachten – und im besten Falle daran zu wachsen.

So kam es, dass mir das Leben das Thema “warten” serviert hat. “Warten” in dem Sinne, dass ich auf einen Menschen, den ich sehr mag warte, weil er nicht in meiner Nähe war. Über viele  Tage. Diesen Zustand könnte ich auch Liebeskummer nennen, doch, das was weh tat, war das “Warten” an sich. Wenn ich auf jemanden “warte” geht es mir nicht gut, es zehrt an meiner Lebenskraft, es zieht mich aus dem Jetzt heraus, und ich fühle mich total fremdbestimmt. Es tut körperlich ziemlich weh….ihr kennt das…in der Magengegend…

Soweit so gut, in einem stillen Moment nahm ich mir das Wort “warten” an sich vor. Was bedeutet es? Ich entdeckte mehrere Bedeutungen:

  1. “warten” im Sinne von: ein Auto wird gewartet
  2. “warten” im Sinne von Aussichtswarten
  3. und natürlich das übliche “warten”

Nun muss ich noch ein wenig ausholen, um klar zu machen, was in mir passierte:

Aus der praktischen Philosophie nahm ich ein Zitat von Kleanthes in mein Lebensmuster auf:
“In ihr (damit ist die göttliche Ordnung gemeint) leben, weben und sind wir”

Daraus schloss ich, dass die göttliche Ordnung ebenso IN mir lebt, webt und ist. Mit einem Male bekam das Wort “warten” eine neue, wohltuende Bedeutung. Ich bin es, die “gewartet” wird, nämlich von der göttlichen Ordnung – das war ziemlich genial, und es entspannte mich Stunde um Stunde – bis zu heutigen Tag. Das Bild, die Vorstellung davon, dass Wartezeiten im Grunde Wartungszeiten sind, in denen ich innehalten soll, kann, darf, um der göttlichen Ordnung Zeit, Möglichkeit und Raum zu geben, mich zu “warten”.

So wird es wohl Epiktet in seinem Handbüchlein der Moral gemeint haben, wenn er schreibt:
Über das eine gebieten wir, über das andere nicht. Wir gebieten über unser Begreifen, unsern Antrieb zum Handeln, unser Begehren und Meiden, und, mit einem Wort, über alles, was von uns ausgeht…”

Eine Übersetzung diese Textes könte wohl so lauten: Wir gebieten, wir haben Macht über unsere Vorstellungen, Meinungen, Erkenntnissebereitschaft über das, was uns das Leben bringt.

Wohlan, liebe LeserInnen, dann übernehmen wir doch die Eigenmacht, denn sie ist die Einzige, die wir haben – wirklich übernehmen – nicht nur davon reden.